KOLUMBIEN, NORD, 4.11. - 23.12.18, 2'700 km

 

40 / MEDELLIN- TURBÓ- GAIRA- RIOHACHA- PUNTA GALLINAS- CARTAGENA

 

40. Bericht 4.11. - 22.12.18, 2'700 km 

Die Vielfältigkeit Kolumbiens erleben wir in den nächsten Wochen in den verschiedenen Küstengegenden, sei dies in im afrikanisch geprägten Turbó, wo wir nur einen Sprung von Panama entfernt sind, dann an der Nordküste mit den vielen breiten Zuflüssen in die Karibik bis zum nordöstlichsten Punkt von Südamerika, die Punta Gallinas, Heimat des Indigenen Voles, Wayúus.

 

Mitten in Medellin, offeriert uns Juan's Familie vis à vis ihrem Domizil einen Stellplatz für LIRA. So erleben wir die Stadt, das tägliche Leben (Schule, Arbeit, Fiestas) hautnah, sind oft tagelang in verschiedenen Vierteln unterwegs und sozusagen nebenbei sind auch alle notwendigen Arbeiten rund um LIRA gelöst. Claudia, Juan, Santi - unser Zuhause ist auch euer Zuhause!

Unkompliziert repariert Edison während zwei Tagen vor Claudia's Kiosk unsere völlig aus den Fugen geratene Moskitotür. Mit aller Geduld wechseln die jungen Männer alle Fäden aus und montieren die Tür fachgerecht. Gerne bedanken wir uns mit einem Festessen.

 

Auch die Reparatur inklusive Auswechseln der beiden Gelbatterien an unserer Solaranlage erhebt viel Aufsehen...., zum Wechseln neuer Reifen und hinterer Bremse fahren wir quer durch die Stadt Medellin in die Werkstatt, nicht ganz einfach, hat die Stadt doch 3Mio EW. Wie glücklich kann sich Medellin schätzen, einzige Stadt Kolumbiens zu sein, welche ein gut ausgebautes Metronetz besitzt.

 

Rosalba, eine kolumbianische Schriftstellerin und wohnhaft in Medellin-Süd/Sabaneta, war meine Bus-Nachbarin am letzten Tag 2017 von Tumbes PE nach Guayaquil EC. Sie zeigt uns mitten im 'Nobelquartier' Envigado/Sabaneta das wunderliche Haus Piedritas, ein Lebenswerk eines Künstlerehepaares.

 

Auf dem Rundgang im grosszügig angelegten botanischen Garten in Medellin zelebrieren wir Claudias 52. Geburtstag! Als dann der Regen einsetzt, finden alle Unterschlupf in der LIRA und das feiern geht weiter. 

 

Die Cable Meto führt uns hinauf nach La Sierra, wo wir eine geniale Rundsicht geniessen. Obwohl wir in einem Armenviertel der Stadt allein unterwegs sind, fühlen wir uns sicher, die kleinen Kinder sind hübsch angezogen und spielen ebensogerne mit einem Händy wie Kinder aus Stadthäusern.

 

Ein besonderer Tag ist für uns der gemeinsame Ausflug mit Santiago, Bruder von Juan in das einst gefährlichste Drogenviertel der Stadt, San Javier. Heute führen Escaleras electricas in den ersten Teil des Armenviertel Comuna 13 hinauf, wo Bewohner mit Graffitis, Breakdancing und zusammen mit Touranbieter ihre Existenz sichern.

 

Nun sind wir auf der Ruta #90 von Medellin nach Turbo und erreichen die Caribe Colombia!

 

Arboletes, ein kleiner Ort mit 20'000 EW, ein freier Stellplatz unmittelbar bei der Küste, Leguan und Papagei, die immer unser Womo bewachen und dann noch der unterirdische Schlamm-Vulkan Lodo, der unsere Körper richtig abkühlen vermag - sooooo genial!

 

Der Einkauf macht Freude..., die Aussicht geniessen wir...., doch die Strasse lässt oftmals zu wünschen übrig. Eine Unaufmerksamkeit von mir und LIRA rächt sich mit einem Crash-Sensor. Wir erfahren die Hilfsbereitschaft der Kolumbianer, indem ein Junge mit mir in die wenige Kilometer entfernte Peaje (Fahrbahn-Zahlstelle) fährt, wo ich die Strassenhilfe avisieren kann. Kurze Zeit später entdecken Ralph und der Servicemann den richtigen Knopf, LIRA startet wieder - und kaum zu glauben, die Strassenhilfe ist gratis.

 

Unterwegs besuchen wir Palenque, das letzte 'lebende' Wehrdorf. Die Vorfahren, der afroamerikanischen Bevölkerung haben sich erfolgreich gegen die Sklaverei gewehrt und wurden selbständig. Agenturen von Cartagena fahren mit Interessierten das Dorf an, dann erklingen Trommeln und Rasseln... Es scheint, dass dieser Zusatzverdienst reicht, damit die Menschen nach ihrem Motto leben können: Liebst du Musik und Landwirtschaft, bist du Millionär....

Hier wird die Kreolsprache Palenquisch gelehrt und gesprochen, ein Mix von portugiesisch, spanisch, kongulesisch, senegalesisch....

 

Wir erreichen die Caribe im Norden von Colombia und wieder überwältigen uns die Gegensätzen auf kleinstem Raum!

 

Wir stehen in Gaira/Rodadero an der Bucht, wo junge Venezuelaner sich und auch ihre Kleider waschen. Gleich werden wir umgeben von Bittsteller, welchen wir gerne auch das eine oder andere abgeben und in Gesprächen mehr von ihrem jetzigen Leben erfahren.

Ein nahestehendes Hotel empfiehlt, unser Womo direkt unter ihr Aussenlicht zu stellen und lädt uns ein, ihren Pool gegen einen Obolus zu nutzen. Erfrischt geniessen wir den tollen Sonnenuntergang.

 

Im Swiss-Camping in Minka werden die Stellplätze für Overlander neu geebnet, sodass dieser wie auch infolge Wegüberschwemmung die Zufahrt zum Nationalplark uns versperrt bleiben. Die herzige Bucht Taranga macht alles wieder wett. 

In diesen heissen Tagen, nehmen wir jede Möglichkeit war, uns im Wasser abzukühlen... am Strand zu sitzen, doch jetzt sehnen wir uns nach einer ausgiebigen Dusche. So mieten wir uns für zwei Tage im Hafenort Santa Marta im Hostal Rua ein.

 

Auf der 200km langen Strecken von Gaira nach Riohacha münden etwa 12-15 Flüsse in die Karibik; wir geniessen diese abwechslungsreiche Strecke. Bei fast jedem Fluss führt eine Weg zum Meer hin, welche jedoch nicht immer für unsere LIRA gemacht ist. So müssen wir oftmals umkehren oder aber wir finden kein Plätzchen zum Stehen.

 

Die Überlandstrasse #90 im nördlichsten Ecken von Kolumbien lässt sich gut fahren, so bleibt uns viel Zeit und Musse uns an vielen Dingen zu erfreuen. An manchen Orten stehen am Strassenrand mit Benzin/Diesel abgefüllte Plastikflaschen aus Venezuela zum Verkauf. Das tollerierte Schmuggelgut verschwindet mit Hilfe von Trichtern in so manchen Tank, daneben werden frische Fische verkauft, Arepas gebraten.

 

Wenn Busse Touristen nach Buritaca bringen, muss es auch LIRA schaffen... ja, und dann ist das Plätzchen so hübsch, dass wir gleich drei Tage Strandleben geniessen. Der Rio Buritaca bringt viel Wasser in die Karibik, sodass am breiten Strand im Süsswasser gebadet werden kann, für uns ein sehr angenehmes Badevergüngen! 

Nach einem feinen Essen, spazieren wir zurück zur LIRA, die im Schatten eines grossen Ficus auf dem Dorfplatz steht. 

 

Riohacha, der Hauptort vom nördlichsten Departement Kolumbiens, La Guajira wird ein weiterer Kronfavorit von uns: angenehme Temperaturen, da der Wind die Hitze mildert, keine Moskitos!

Wir stehen direkt an der verlängerten Malecon, wo tagsüber die Handarbeiten der Wayúus feilgeboten werden. Wenige Meter danach ist wenig Verkehr, der unendlich lange Strand ist unser Garten.

 

Unsere LIRA bringt uns nach Uríbia, Hauptort der grössten indigenen Bevölkerung Kolumbiens, den Wayúus. Vermehrt sehen wir nun Fahrzeuge mit venezuelanischer Kennzeichnen, wobei die Fahrzeuge entweder neu oder sehr alt sind, grösser kann der Unterschied kaum sein. Alle paar Hundertmeter werden Diesel und Benzin in Flaschen oder auch in Fässer angeboten, alles geht friedlich von sich. Die Namensorte sind so schwer zu lesen, dass wir uns nicht einen merken können.

 

Von hier aus lassen wir uns durch den Lebensraum der Wayúus chauffieren. An manchen  improvisierten Zollübergängen verteilen wir Biskuits und Wasser, andere werden verlangsamt angefahren, um den Kinder Zeit zu lassen ihre Schnüre fallen lassen können.

 

Erster Zielort, Cabo de la Vela fahren wir im Laufe des Nachmittags an, es bleibt uns nur wenig Zeit ein Zimmer zu beziehen. Viele Sehenswürdigkeiten warten auf uns...

La Bahia Arcoiris, wo wir uns im Regenbogen einfangen üben....

 

Der Pan Azucar, welcher uns eine unglaubliche Rundsicht zeigt...

 

Die Dunas, die uns locken, allen ein frohes neues Jahr zu wünschen...., dann die Weiterfahrt durch eine Gegend, die mit Farbnuancen uns überrascht....

 

Der Faro lässt uns die Zeit vergessen, ein wunderschöner Sonnenuntergang wird uns geschenkt. Diesen Tag lassen wir gemütlich ausklingen....

 

Frühmorgens werden wir von Haider, unserem Fahrer abgeholt und erreichen den Sonnenaufgang beim Schienenkreuz. Hier, im äussersten Nordosten Kolumbiens transportiert die Bahn fast ausschliesslich die dort geförderte Steinkohle.

 

Begegnungen in einer uns fremden Welt...

 

Die Spur zu finden und zu halten gelingt Haider sehr gut - wir fühlen uns im Auto sehr sicher. Hingegen wie unser Guide -selbst Abstammender der Wayúus- die Indigenen mit Obulus, mit Versprechen hinhält, ist für uns unverständlich. Wir lehnen dieses Verhalten ab.

 

Eine Lancha führt uns über den Kanal und verkürzt damit den Landgang beträchtlich. Wir sind am nördlichsten Zipfel von Kolumbien, die Punta Gallinas, welche auch das 'Nordkap von Kolumbien' genannt wird.

 

Wir machen uns zu Zweit auf den Weg zur Bahia Hermosa, die Sonne brennt...., wie angenehm dann das kühle Wasser! Mutig machen wir uns danach auf den Weg, Einheimische am anderen Ende der Bucht mit kleinen Geschenken (unser Notproviant) zu begrüssen und werden mit einer kleinen Tanzaufführung von zwei Kindern überrascht. 

 

Ja, der Fussmarsch zurück zum Hostel Alexandra schafft uns...., doch nach einer halben Stunde Hamaca-Relax sind wir wieder wohlauf und geniessen.... und geniessen....

 

Nun heisst es von diesem wunderbaren Flecken Abschied nehmen, die Erinnerungen an Cabo de la Vela, an Punta Gallinas werden uns bleiben.

 

Nun heisst es 500km durch die Departemente La Guajira, Magdalena, Atlantico zurück zu fahren und uns mit unserem nächsten grossen Reiseabschnitt - Mexiko - auseinander zu setzen.

Leider haben wir es verpasst, zwischen Bogotá und Medellin 'Hamacas para sentirse' zu erwerben. Wie glücklich sind wir, in Manaure/Dep. La Guajira wunderschöne, handgefertigte Hamacas Wayúus zu finden, ein tolles Andenken an Kolumbien. 

 

In Santa Marta, Gaira (Rodadero)verbringen wir ungezwungene Strandtage mit Elsa und Sebastian, welche ebenso geschickt Artesanias herstellen und verkaufen. Bei schönem Sonnenuntergang verabschieden wir uns vom Dep. Magdalena.

 

 

Die Vorarbeiten für LIRA's Verschiffung nach Mexiko sind im vollen Gange....

Trennwand installieren, Gepäck für Hostal-Leben bereitstellen, Papierkram in der Agencia mit Ana erledigen, Benzin abgesaugen - und nun ist LIRA auf dem Weg zum Puerto Bahia/Cartagena. Hier muss Ralph in den nächsten Tagen sowohl die Drogenfahndung und die Zollabfertigung überstehen...

 

Unsere letzten Tage in Südamerika verbringen wir in Cartagena, wo wir uns bei Claudia in Manga einquartieren. Nebst dessen, dass mir bei bei der Ankunft gleich das iPad abhanden gekommen ist (!) und der Verschiffungsprozess von Cartagena/CO nach Veracruz/MEX unglaublich kompliziert vonstatten geht, gefällt uns diese Stadt sehr gut.

 

 

Der blaue Himmel, das Meer, die grünen Palmen, die weissen Häuser sind für uns jeden Tag ein Aufsteller und lassen uns den Ärger vergessen, wenn Ana's Instruktionen auf sich warten lassen, neue Regelungen avisiert werden oder notwendige Unterlagen nicht vorliegen.

 

 

 

Am 22.12.18 verlässt der Autoliner CHIVA von Hoegh mit unserer LIRA den Hafen von Cartagena nach Veracruz/MEX. Unsere 3-jährige Südamerika-Reise geht dem Ende zu.... Einen Tag später verabschieden wir uns von Claudia und Juan und fliegen von Cartagena-Bogota-Mexiko nach Veracruz. 

Südamerika ist tief in unserem Herzen verankert, viele wunderschöne Erlebnisse, an die wir uns immer gerne erinnern; tolle Menschen, die zu Freunden wurden!

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