KOLUMBIEN SÜD, 1.10.18 - 3.11.18, 2'300km

 

39 / IPIALES (Grenze EC/CO) - LAJAS - LAGUNA CUMBAL - PASTO - LAGO DE LA COCHA - LAGO CALIMA - BUENAVENTURA (Ballenas) - IBAQUE - BUENAVISTA - SALENTO - FILANDIA - MANIZALES - MARIQUITA - PUENTE TRIUNFO - MEDELLIN

39. Bericht 1.10.-2.11.18, 2'300km
Colombia grenzt an Ecuador, Peru, Brasilien, Venezuela, Panama, auch an den Pazifik und an die Karibik.
Die Grenzpassage berührt uns sehr. Wie uns vorhergesagt, sehen wir so viele Venezuelaner(Innen) mit Babies/Kleinkindern, mit Sack und Pack ihr unendlich schönes und reiches Land (Oel/Gold) verlassen.
Venezuela ist leider nur mit öV/Rucksack zu bereisen.

 

Nach unserem Grenzübertritt Tulcan EC/Ipiales CO finden wir uns sehr schnell zurecht. Einfach bei der Umrechnung die Nuller weglassen, wir sind plötzich Millionäre, für CHF 360 bekommen wir 1 Mio Pesos! 

Der Diesel ist 3x so teuer wie in Ecuador, jedoch ggü der Schweiz immer noch ein Traum, 1 lt kosten gerade mal CHF 0.75. 

 

Gleich nach Ipiales fahren wir ostwärts zu berühmten Walfahrtskirche Las Lajas. Eine erste Kapelle wurde 1803 gebaut, dann zwischen 1916-1939 entstand aus der Flanka des fast vertikalen Felsens die fantastische Kirche im neugotischen Stil. Bevor wir mit der Teleferica die Senke erreichen, begrüssen uns die fleissigen Einheimischen mit einem Sack Kartoffeln .

 

Die Laguna de la Bolsa/Volcan Cumbal und Laguna Verde/Volcan Azufral sind westwärts der Grenzstadt Ipiales. Die Volcane zeigen sich uns nur kurz wolkenfrei und die zweite Laguna können wir nicht anfahren, da rundherum ein Reservat erschaffen wird.

 

In Pasto, 500' EW, Hauptort des Dep. Nariño, stehen wir am Seitenausgang einer Kirche, gut bewacht von der Polizei. Gestärkt mit feinem Frühstückskaffee und köstlichem Gebäck besorgen wir uns bei Claro Simkarten und sind erstaunt, wie bei Ladenöffnung, mindestens 50 Personen nacheinander den Laden betreten und von einem Beraterteam an die entsprechenden Schalter verwiesen werden. Die Bedienung arbeitet unglaublich freundlich und effizient.

Unser nächstes Ziel ist der andine, 40km2 grosse, glasklare Lago de la Cocha auf 2'800m, bekannt für seine Regenbogenforellen, truchas acairas (mmhh, sehr schmackhaft!). 

 

Nur fünf Bootsminuten entfernt liegt die Insel Corota, auf welcher ein Weg mitten durch den Urwald zum anderen Ufer führt. Die vielen Grün, die Bromelien, die leuchtenden Farben von einzelnen Blumen und Beeren faszinieren uns. 

 

Heute Samstag legen wir einen Fahrtag ein. Eine kurvenreiche, bergauf-bergabführende und teilweise mit argen Schlaglöcher versehene Strasse führt uns nordwärts nach Popayan, 320' EW, die weisse Hauptstadt des Bezirks Cauca. Für Abwechslung sorgen Begegnungen verschiedener Art: IBC = Industrielle Betriebe Chur; Matheo aus Brasilien hat die gleiche Autonummer wie wir, Moto nimmt sein Fahrrad mit, unendlich langer Laster.... 

 

 

Mit öV fahren wir am Sonntag in die Innenstadt von Popayan und spazieren kreuz und quer durch die hübsche Innenstadt, bestaunen die weissen zweistöckigen Häuser, die schöne Piazza, die alten Brücken bestückt mit unsäglich vielen Ziegelsteinen.

 

Nach einer Stärkung am Stellplatz bei einer Tankstelle fahren wir weitere 50 km westlich nach Silvia. Nach einer Erfrischung wandern wir mit grossem Umweg um den Lago Chiman und sehen zu unserer Freude doch einige Guambianos-Indianer in ihrer einheitlichen blauen Bekleidung mit Filzhut.

 

Auf der Panamericana fahren wir zügig nordwärts, wollen wir doch unbedingt noch Cali, 3 Mio EW und Hauptort des Dep. Cauca, erreichen. Das schwüle Wetter macht uns zu schaffen, doch im Ecoparque von Don Antonio bekommen wir einen tollen Stellplatz und dazu laden noch Pools zum baden ein.

 

Am Nordufer vom Lago Calima finden wir einen Camping, wären nicht die kalten Duschen, könnte man man meinen wir wären in der Schweiz. Geliebt wird dieser See vorallem von den Kitesurfer, die nachmittag bei kehrendem Wind (West) mit all den Turbulenzen wacker zu kämpfen haben. Wir aber geniessen nach 14 Tagen 'on the road' dieses ruhige Plätzchen. Wie gewohnt, haben wir uns auf der Wegstrecke mit Früchten eingedeckt, eine Piña kostet zwischen 1-2'000 Pesetas, also 40-60 Rappen.

 

Am kommenden Wochenende werden die Ausfahrten zu den Walen beendet. So nehmen wir unseren Mut zusammen und fahren los. Natürlich nehmen wir die Worte der Einheimischen ernst, achtsam zu sein. Die gute, asphaltierte Strasse nach Buenavista führt quer durch den Urwald, wobei die viele Polizeipräsens sehr auffallend ist. Alles ist/bleibt ruhig, rechts erblicken wir immer wieder einzelne einfach zusammengezimmerte Häuser. Auf der Strasse ist ein immenser LKW-Container-Verkehr, es ist die Strassenverbindung Pazifik-Bogota.

 

Toll, für LIRA haben wir mitten in der pulsierenden Stadt Buenaventura auf einem 24h-LKW-PP ein sicheres Plätzchen gefunden. Damit ist für uns der Weg frei, eine Tour zu den Ballenas zu organisieren. Lanchas fahren nur bis nach Juanchaco, dort müssen wir uns für ein Taxi umsehen. Ohne zu zögern, wählen wir ein Moto für den Transport zu unseren Cabaña Medellin in Ladrilleros.

 

Am anderen Morgen gilt es wieder einen Fahrer bis nach Juanchaco anzuheuern, wo eine Lancha mit uns auf den Pazifik hinausfährt. Die Motofahrt ist sehr charakteristisch, die Fahrspur führt über alle nur möglichen Untergründe hinweg und doch macht es einfach Spass....!

Etwa 20 Personen haben auf der Lancha Platz. Der Junge steht völlig cool vor uns und hält über den Pazifik hinweg Ausschau, denn die grossen -etwa 40 Tonnen schweren Tiere sind von Weitem zu sehen. Völlig sprachlos schauen wir zu, wie elegant die Wale auftauchen und mit welcher Kraft sie kopfüber wieder ins Wasser eintauchen. Ein herrliches Erlebnis!

 

Noch am gleichen Abend verlassen wir die Stadt Buenaventura. In der LIRA ist inzwischen nämliche etwa 50 Grad heiss.... Schnell sind wir wieder mitten im Urwaldgebiet. Ralph muss sich gegen die LKW-Kolonne gut behaupten, da die Fahrt doch etwa 2-3 Stunden dauert bis wir hinter Buga an einer Terpel-Tankstelle einen Übernachtungsplatz finden. Und welche Glück...., es gibt saubere Duschen, für heute das Einzige, was wir uns noch wünschen!

Frühmorgens machen wir uns auf Weg zum nächsten Ziel, den NP Volcano Tolimo. Am Ostrand von Ibaqué zweigen wir in die schmale Serpentinenstrasse ein. Doch wir sind nicht allein unterwegs. Für Mountainbikefahrer ist die Strasse in den Nationalpark eine willkommene Trainingsstrecke und so lassen wir LIRA in einem Weiler stehen und lassen uns mit dem öffentlichen Bus so weit wie möglich hochfahren. Von dort spazieren wir zum Mirador hoch. Leider bleibt der Vulkan Tolima (5'200m) bedeckt, dafür werden wir mit anderen Begegnugen überrascht.

 

Nach zwei Tagen in guter Bergluft fahren wir zurück nach Ibaqué und bevor wir uns wieder in die LKW-Reihe eingliedern um über den mehr als 3'000m hohen Pass zurückzufahren, besuchen wir den herrlich gelegene Parque Orquideas. Welch Augenschmaus, die vielen schönen Blumen in natürlicher Umgebung zu betrachten.

 

Nun steht der Besuch in der Finca cafetera von Don Leo an. Dafür müssen wir bis nach Calarcá zurückfahren und dann nach Buenavista abzweigen. Don Leo holt uns am anderen Morgen auf der Plaza ab und auf dem Weg zu seiner Finca, weiss Leo so viele Geschichten über die Natur und sein Leben als Marihuana Arbeiter zu erzählen, dass wir erst bei der Rückkehr merken, wie lang und steil der Anmarsch ist.

Überrascht werden wir dann auf der Finca Alascia von der Diversität der Pflanzen. Nebst Unmengen von Bananos (in Español männlich) und Platanos (Kochbananen) wachsen die fülligen Mangobäume, Piñas, Gewürze für Küche und Medizin, Bambus (bambó), Baumwolle und natürlich die Kaffeestauden.

 

Mit viel Liebe zeigt uns Don Leo sein Reich und erklärt uns was hochqualitativer Kaffee ausmacht. Die Bohnen werden von Hand gepflückt und nach einer ersten Auswahl schält eine Maschine die Bohnen. Dann beginnt das Aussortieren, wobei er für diese Arbeit auch oftmals workaway-Leute auf seine Finca einlädt. Auch für uns sind die Qualitätsmerkmale gut sichtbar, sodass wir nach einer währschaften Mahlzeit mit einem 2,5kg Sack Hane-Kaffee auf den Rückweg machen. Beim Kaffeetringen in der Schweiz werden wir gerne an den Besuch auf der Finca Alascia erinnern.

 

....Serrano-Camping in Salento, einfach ein ganz toller Platz! Nur erleben wir auch hier den täglichen Regenguss. Doch draussen eine Guanábana (3,5kg) für Jugo -que rica-vorzubereiten, ist eine tolle Sache.

 

.... überhaupt... Essen und Trinken in Colombia ist im Vergleich zu Peru sehr abwechslungsreich und immer voller Überraschungen!

 

Ganz in der Nähe befindet sich das Valle Cocora, welches für seine 40m hohe Palmen auf 2'000m Höhe sehr bekannt ist und gerne von Ausflügler besucht werden. Die Cera (Wachspalmen) können bis 200 Jahre alt werden. Die dreistündige Wanderung müssen wir leider infolge unbeständigem Wetter kürzen, nichtsdestotrotz lassen wir uns mit einer gebratenen Trucha (Forelle) verwöhnen.

 

Das Departement Quindío ist nicht nur durch seine Kaffeepantagen bekannt, auch die herzigen kleinen Orte Salento und Filandia im Paisa-Stil werden von den Kolumbianer gerne am Wochenende besucht. Die tollen Willy's sind ebenso eine Attraktion, man lässt sich gerne über die unwegsamen Nebenstrassen chauffieren, um sein eigenes Fahrzeug zu schonen.

 

Der Weg hoch zu den Thermen Santa Rosa ist ein Augenschmaus. Aus einer beträchtlichen Höhe rauscht das Wasser in den hinteren Teil des Bades, wo das kalte Wasser die Jugendlichen und Junggebliebenen ergötzt. Währenddessen sich die älteren Semester im 37 Grad warmen Wasser wohl fühlen.

 

Auf unserer Karte haben wir in Manizales die Pastelería La Suiza schon lange markiert und freuten uns schon Tage vorher auf die Leckerbissen aus der Heimat. Und - wir werden nicht enttäuscht, das Auge sieht mehr als wir morgens um 9 Uhr degustieren können. So verlassen wir die bereits im Jahr 1952 eröffnete Backstube mit einem Riesenpaket, gefüllt mit Crèmeschnitten, Schwarzwäldertorte und Apfelkuchen. Na, ja... ein bisschen Vorrat muss ja sein :-)) 
Hätten wir gewusst, was uns auf der steilen Bergstrasse zum Paso Ruiz 4'000m erwartet, wären wir wohl einfach noch eine Weile im gemütlichen Restaurant geblieben. Doch LIRA schafft die überflutete Strasse mit Bravour, wir gönnen ihr daher in den nächsten Tagen einige Ruhetage.

 

Nachdem wir auf einer Höhe von 3'400m Höhe Schutz gefunden haben, führt uns am nächsten Tag die eine durch den Urwald führende Passstrasse in die Ebene, wo wir uns dann in Mariquita mit feinen, am Holzfeuer gebratenen Lendenstücke verwöhnen.

 

Welch ein traumhafter Platz hat sich hier 'Martin y Pescador' kurz nach Honda, bereits am Rio Magdalena geschaffen! Wir fühlen uns wir die Könige und lassen es uns gut gehen. Vereinzelte Tagesgäste benutzen mit uns den Pool, ansonsten haben wir das Gelände für uns allein. Als am dritten Tag unser Inverter (Wandler 230/110 Volt) ausfiel, kam der Elektriker mit seinem Moto aus Honda und konnte den Fehler beheben, welch Glück, wir können weiter Strom nutzen.

 

Zwei Tage verbringen wir in der Hacienda Napoles, Hauptsitz des Drogenbarons Pablo Escobar (1949-93). Seit 2007 ist der 28km2 Park öffentlich. Wir fahren mit eigenem Auto durch den Erlebnispark und fühlen uns wie auf einer Safaritour. Die Tiere fühlen sich in ihren Reichen sichtlich wohl, so haben sich die einzig ausserhalb Afrikas lebenden Flusspferde auf 44 Exemplare vermehrt. Zum Abschluss geniessen wir das Badevergügen!

In der einstigen Villa zeigt eine Dokumentationen das Leben Escobar auf, der innerhalb eines Jahrzehnts zu den einflussreichsten und gefährlichsten Männer der Welt wurde, doch auch heute 'lebt' Escobar weiter, nicht zuletzt durch die vielen Menschen aus der Unterschicht, denen er im Medelliner Vorort Itaguí ihre bescheidene Bleibe finanziert hat.

 

Auf der Ruta del Sol lockt uns die Abzweigung nach San Luis, 1900m und führt uns zu einer wunderschönen Quebrada. Da uns die Schwüle der vergangenen Tage recht zusetzte, ist es unsäglich schön, sich in diesem herrlich klarem Gewässer abzukühlen. 

 

Kolumbien bietet so viel....., wir geniessen die wunderschönen Augenblicke!

 

Auf 2'000m Höhe wurden in den 70er Jahren die zerklüfteten Täler zwischen den Gemeinden El Peñol und Guatapé mit Wasser aufgefüllt und versorgt heute die 50km entfernte 3Millionenstadt Medellin mit Energie.

In einer weissen Regenwasserabflussrinne des Piedra del Peñon wurde in den 50er Jahren 657 Treppenstufen gehauen, sodass der mit dem Zuckerhut von Rio verglichene Granitmonolith, bestiegen wird, um die künstliche Landschaft zu bestaunen.

 

Obwohl gerade an diesen Tagen in Guatapé der Giro Rigo stattfindet, finden wir einen tollen Stellplatz für LIRA und geniessen das im Fussmarsch zu erreichende Städtchen.

 

In Guatapé dominieren puppenhaft bunte Häuschen im Paisa-Stil mit traditionell gestalteten Zementsockeln (zócalos), die Ortsgeschichte thematisieren oder Familienzeichen wiedergeben. 

 

... ein eindrücklickliches Freundschafts-Fahrradrennen mit Rigo, kolumbianischer Meister und Chris Frommet und weiteren 1'800 Fahrern ...

 

Bei misslichem Wetter besucht uns Juan, den wir vor mehr als einem Jahr in Chile kennenlernten, mit Freunden in Guatapé und lädt uns ein, ihn und seine Familien in Medellin zu besuchen, como le dice....mi casa es tu casa! Tambien para nosotros Juan, la nuestra es siempre tuyo!

 

.... 

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    San y Dan (Samstag, 13 Oktober 2018 16:48)

    Hola!!!
    que bueno tener noticias de ustedes nuevamente. een estos países, tienen una cultura muy diferente de la nuestra. aun es un sueño visitar tan lindos sitios.
    Mucha suerte, saludos, abrazos con mucha saudades.... :)
    San y Dan