CHILE/ARG, Magellan/Feuerland: 12.11.16 - 5.12.16, 2'000km

MAGALLANES               Chile: Punta Arena 

TIERRA DEL FUEGO    ARG: San Sebastian - Ushuaia - Tolhuin - San Sebastian
                                           Chile:  Punta Delgada - Puerta Natales

23. Reisebericht 1.12. - 5.12.16 (letzter Teil)

Haben wir bis anhin einen liebgewordenen Platz verlassen, trösteten wir uns, wieder einmal zurückzukehren. Doch von Ushuaia ist es ein Abschied, wir werden wohl nicht noch einmal bis ans Ende der Welt fahren!
Am Paso Garibaldi geniessen wir die Sicht zum 120km langen  Lago Fagnono und Tolhuin erreichen wir bei eindrücklicher Abendstimmung. 

 

Bei der Rückfahrt durch Feuerland sehen wir, der Frühling hat Einzug genommen. Die Wälder sind grüner, am Strassenrand blüht der Löwenzahn, die Schafe tragen noch mehr Wolle wie vor zehn Tagen. Geschoren werden diese in einer Trockenperiode zwischen dem 10. Dezember und 10. Januar, zwischendurch muss jeweils der Pony geschnitten werden, hängen die Haare über die Augen, suchen sich die Vierbeiner kein Futter mehr🤔. 

Bis zur argentinischen Grenzkontrolle San Sebastian führt die asphaltierte Ruta 3, dann gibt es bis zur chilenischen Abfertigung 15km Schotterstrasse.

Wir haben noch Frischprodukte bei uns, die nicht in Chile eingeführt werden dürfen. So brate ich Geschnetzeltes an, dann gebe ich die aufgeschlagenen Eier mit Tomatenstücke dazu. Dies gibt einmal ein tolles Pastagericht👍.

Nun folgen weitere 60 km Ripiopiste, gleich daneben wird die neue Strasse gebaut. Die Schotterfahrerei löst in der LIRA ein unsäglicher Lärm aus, dazu die Baumaschinen und der Staub der uns entgegenkommenden Lastwagen. Dafür bläst der Wind die dunklen Wolken an uns vorbei, sodass nur wenig Regen fällt. Im Städtchen Cerro Sombrero, 40 km vor der Fährpassage nach Punta Delgada kommen wir noch vor Eindunkeln an. Seit November geniessen wir die langen Tage, es ist nämlich bis 22.00 Uhr hell und entsprechend gehe auch ich nicht mit den Hühner schlafen🤗. 

 

Ein kurzes Aufhorchen bei der Fähre nach Punta Delgada.... infolge hohem Wassergang wird die Anlegestelle verlegt. Alle wartenden Auto versuchen mit einer optimalen Kehrtwende Plätze gut zu machen. Die LKW's haben ihre fixe Reihe, wir inmitten den PW's müssen mitkämpfen. Sogar der Himmel weint, als wir Feuerland verlassen....😏

Auf dem Festland geht es erst einmal Richtung Punta Arenas, dann kommt die Abzweigung nach Puertas Natales. Wir nehmen Abschied vom Atlantik und entfernen uns von Familie und Freunden westwärts. Da sich die Wolken verziehen, verlassen wir die Hauptachse und fahren über eine schmale Naturstrasse zu einer Estanzie in Rio Verde, die direkt an der Seno Skyring, ein Nebengewässer der Estrecho Magallanes liegt und vertilgen mit Heisshunger einen Teil der Pasta mit 'Chiles-Roteliste-Einfuhrlebensmitteln'.  

Die Nacht verbringen wir am Ufer eines kleinen Flusses am Fusse des auf privaten Gelände liegenden Morro Chico und unweit einer Polizeistation. Die Uniformierten geben uns am nächsten Morgen die Erlaubnis über den Zaun zu steigen, um das Vulkangestein Morro Chico zu besteigen. Nach diesem ausgiebigen Spaziergang fahren wir gemütlich nach Puerto Natales, Ausgangspunkt zum NP Torres del Paine. Und wer kommt uns auf der Strecke entgegen: Sigu und Hilu mit ihrem grünen LKW...  wir freuen uns immer wieder auf einen Schwatz mit euch!😄

53.780260 S / 67.692022 W, Costanera, Rio Grande, RA

52.776350 S / 69.291341 W, Museum, Cerro Sombrero, CL

52.054830 S / 71.428152 W, am Fluss, Morro Chico, CL

51.734409 S / 72.509587 W, Information, Puerto Natales, CL 

 weiterlesen: ab 6.12.16 --->> Reisebericht 24: Chile/Argentinien: Pazifik

 

22. Reisebericht 12.11. - 30.11.16

Die  'Schauermärchen' von den chilenischen Grenzübertritten bewahrheiten sich für uns bereits bei Monte Aymond RA/CL (Rio Gallegos ARG/Punta Arenas CL). Alles was wir meinen an Lebensmittel nicht mitnehmen zu dürfen, ist entweder vertilgt (Früchte/Gemüse), gut versteckt (Fondue, CH-Würstchen), im Gefrierfach (...!...) oder gekocht (Eier). 

 

Bei den Ein- und Ausreiseformalitäten gibt es keinen Unterschied zu unseren acht anderen Grenzübertritten, ausser dass am Schluss noch ein Deklarationspapier auszufüllen ist. Wie uns geraten, bejahen wir die Einfuhr von tierischen und/oder pflanzlichen Lebensmittel, weil das alle Camper in irgendeiner Form mitführen. Dies wiederum führt dazu, dass der bereits bei unserem Camper verweilende Inspektor das Innenleben des Campers sehen will. Aber als der schnittige Mann nebst den tiefgefrorenen Plätzchen (diffrenziert wird roh/gekocht, nicht gefroren/frisch - eigentlich klar...🤔) den originalverpackten Rohschinken (Fleisch aus Spanien, verpackt in Argentinien: muss abgegeben werden), das ungeöffnete Linsenpaket (ach ja, Natur pur!) auch noch die Migros-Apfelschnitze (hmmm) schnappt, beginne ich mit ihm zu diskutieren. Mit einem Stillhaltefinger streckt er mir das Mitbringsel aus der Schweiz entgegen.😉 und um den gefrorene Rohschinken auszuführen, muss ich ihn kurz in der Bratpfanne wenden😏. Während nun der Fahnder noch in den Schränken nachsieht, schnüffelt der Hund bereits in unseren Garagen. Ralph bekommt Auftrag, zwei Kisten herauszunehmen, doch dann ist die Inspektion plötzlich fertig..., ein argentinisches Personenfahrzeug interessiert mehr!

Das Wetter ist mild und der Weg frei, um gemütlich nach Punta Arenas, zur südlichsten Kontinentalstadt der Welt zu gelangen. 

 

 

 

Endlich bekommt unsere LIRA neue Reifen -ein Muss - dies war ja letztlich mit ein Grund zuerst Punta Arenas statt Ushuaia anzufahren. Während Ralph in der Zona Franca sich für den Bridgestone entscheidet und diese nachher ausgewuchtet und montiert werden, erledige ich allerlei Flickarbeiten und auch das Brotkörbchen -ein Andenken an meinen verstorbenen Bruder- erhält ein neues Deckeli.

 

  

 

 

Vor einigen Wochen haben uns Apple-Geschäfte in Buenos Aires versichert, in Punta Arenas sei es kein Problem den Ipad-Akku zu wechseln. Das vierte Elektronikgeschäft fragt beim Zoll um Freigabe von Importware, doch ohne Erfolg und so muss das Tablet einstweilen in einer Ecke weiterruhen. 

 

 

Dafür geniessen wir nach dem Kauf einer 🇨🇱Entel-Simkarte (1GB/1Mt, €11.- ) in der 🇨🇭Baeryswil-Chocalateria in Gesellschaft einer Schweizer-Trekkinggruppe Kaffee und feinste Pralinen. Für einmal wird nicht über Auto und Reiserouten diskutiert, sondern welche Schweizerorte prägen ...

   

Punta Arenas (125'000 EW), die südlichste Kolonialstadt der Welt wird als schönste Stadt Patagoniens beschrieben und auch uns gefällt es hier sehr gut. In der Zona Franca findet man Geschäfte zum stöbern, die gepflegte Innenstadt lädt zum flanieren ein. Vom Cerro de la Luz hat man im Abendlicht eine schöne Sicht über die Stadt, zur Magellanstrasse  und hinüber nach Feuerland. Der bissige Fallwind verlangt aber Mütze und Handschuhe....

 

Die vielen Tsunami-Warnschilder und die Reparaturarbeiten am 8 km langen Küstenweg deuten an, welche Kräfte in der Magellanstrasse toben. So beobachten wir bei stürmischem Seegang, wie Lotsschiffe die Frachter weit hinaus begleiten und denken gerne an unsere ruhige 32-tägige Überfahrt von Hamburg nach Montevideo zurück.

 

 

Wie jeden Tag fahren wir von unserem Stellplatz in der Calle Suiza zur Costanera und frühstücken direkt an der Magellanstrasse. Doch anders als die Tage davor winkt uns heute die Fahrradfahrerin in blau nicht nur freundlich zu, sondern steigt vom Rad und kommt winkend auf unser Womo zu. Unsere Vermutung, Yanet sei eine Heimweh-Schweizerin bewahrheitet sich nicht, sie ist eine waschechte Chilenin. Sie und ihr Mann Erwin sind stolze Besitzer eines Detleffs, welchen sie vor 4 Jahren aus Deutschland importierten. Gerade als sie uns spontan zum Nachmittagstee einlädt, fährt Jean-Pierre, ein Franzose mit seinem alten Renault-Womo dazu. Nach Valdez und Camerones ist es nun bereits das dritte Mal, dass wir uns begegnen. Doch nun hat das Auto ein Radlagerdefekt und er sucht Hilfe, derweilen seine Frau und sein Sohn in einem Café verweilen. Welch Zufall, dass Yanet da ist, alles nimmt ein gutes Ende und wir verbringen zusammen tolle Stunden in ihrem schönen Zuhause an in der Bellavista. Yanet und Erwin wir danken euch herzlich!

 

 

Auf der Strecke nach Punta Delgada sehen wir von Weitem eine riesige LKW-Kolonne, können aber noch nicht einordnen in welcher Richtung die Brummer stehen. Dieses Mal sind wir von der Blockade nicht betroffen, die Strasse zum Fährhafen ist für Private passierbar. Für welche Rechte die friedliche Demo ist, erfahren wir leider nicht. 

 

 

An der engsten Stelle der Magallanstrasse bringt uns die Fähre innert einer halben Stunde nach Feuerland. Das Gebiet ist karg und windig, Schafherden begleiten uns, das weisse Gold von Feuerland! Lustig ist mitanzusehen, wie die putzigen Lämmchen immer wieder ihre Mama suchen, doch sobald wir das Tempo drosseln um anzuhalten, springen alle landeinwärts.  

Nur die letzten 30-40 km der chilenischen Ruta 257 ist noch unbefestigte Strasse, so beschliessen wir die Grenze CL-AR in San Sebastian noch am gleichen Tag zu passieren und gleich danach auf der Ruta 3 ein Schlafplätzchen zu suchen.

Die Grenze Argentinien - Chile ist auf Feuerland eine Gerade  und verläuft von Cabo Virgenes, äussersten Zipfel im Osten des Festlandes AR nach Ushuaia AR. Doch die vielen antarktischen Inseln und die Cordillera Darwin (2'500m), südlichste Andenausläufer sind chilenisches Territorium.

 

An einer kleiner Lagoa in der grössten Stadt Feuerlandes, Rio Grande (67'000 EW) machen wir unsere Frühstückspause, danach besuchen wir die Mission Salesiano, in welcher die grösste, von der Schweiz mitunterstützte, argentinische Landwirtschaftsschule Don Bosco angeschlossen ist. Neben dem gekauften Käse und frischem Schweinefleisch (eine schöne Alternative zum Kuhfleisch) müssen wir noch Getränke einkaufen. Die Gestelle im Supermarkt sind nur etwa zu einem Drittel aufgefüllt und die gewohnte Auswahl fehlt, das Volk am Ende der Welt lebt bescheiden.

Auf der Schotterstrasse 18 zum Lagoa Yehuin kreuzen wir zum dritten Mal auf unserer Reise dem Zürcherpaar Merit und Peter, ein kurzer Schwatz und auf ein Bald wieder...😄 Der frei zugängliche See mit dem moroden Hotel ist ein Tip unter den Argentinier und mit ihren Hilux ist auch der Weg kein Problem. Einige schlagen am Samstagabend im Wald ein Schlafzelt auf, andere kommen am Sonntag mit Kind und Kegel, es ist ein zufriedenes Beisammensein, ein Kommen und Gehen. 

 

Um 4 Uhr morgens werden wir von Regen geweckt! Seit Sonntagabend sind wir allein am Lagoa Yehuin, weit abseits jeglicher Zivilisation und ohne 4x4 kommen wir bei diesem Wetter über die Schotter-/Erdstrasse nicht weg. Wir sprechen über das Wenn und Wie, sind in Gedanken schon beim Brotbacken, da fallen uns die Augen zu und siehe, Petrus ist ein wahrer Freund! Wir werden von Sonnenstrahlen geweckt und geniessen den wärmsten Tag seit langer Zeit. Am späteren Nachmittag sind die Wasserlachen kräftig zurückgegangen und so verlassen wir den idyllischen See, fahren in 1,5 Std zurück auf die Ruta 3 und danach nach Tolhuin.

Am Fusse des Cerros Jeujepen, am Ufer des sechstgrössten Sees Südamerikas, Lago Fagnano haben wir wieder eine prächtige Aussicht zu den Ausläufer der Andenkette und einen Sonnenuntergang mit wechselnden Bildern bis um 22.00 Uhr. Das letzte Wegstück nach Ushuaia erwartet uns morgen.....

 

Wir sind in Ushuia, in der südlichsten Stadt der Welt! Nachdem Wäscherei, Einkauf, Wassernachfüllen, Coiffeurbesuch erledigt sind, können wir nun den magischen Ort geniessen. Die Strassen mit ihren hohen Lomaden sind im Vergleich zu anderen Städten aber ein Graus!

Direkt am Beaglekanal finden wir einen Parkplatz und haben eine tolle Aussicht zu den vielen kleinen Inseln, sehen im Westen die chilenische Cordillere Darwin und sind fasziniert, dass südlich ,unweit' von uns das Caphorn, die Antarktis liegen. Wir diskutieren die im Angebot stehenden Antarktisreisen (10-22 Tage 5'-12'000 Dollar) und  wissen dann, für uns sind andere Erlebnisse wichtiger. 

 

Die ersten Europäer kamen mit Fernando Magellan, im Jahr 1521 nach Tierra del Fuego. Bis dahin lebten etwa 10'000 Feuerllannder, die Selk'nam, die Manek'enk, die Alakaluf, die Yámana auf Feuerland. Nach einem halben Jahrhundert waren es weniger als 400 Personen. 1885 wurde Ushuaia als Hauptstadt ernannt.

Die Häftlinge des Gefängnisses der vorgelagerten Isla de los Estados mussten in den Jahren 1902-1920 das Hochsicherheitsgefängnis auf einem Felsen errichten, so war ein Tunnelbau als Fluchtweg nicht möglich, auch wenn die Zellenboden nur mit Holz belegt waren. In die Einzelzellen der strahlenförmig angelegten Zellentrakten wurden rückfällige Straftäter geschickt, die dann unter sehr schwierigen Verhältnissen Strassen und Häuser von Ushuaia und auch die 90 km lange Strasse der noch heute im Betrieb stehenden  Estancia Haberton bauten. Das Gefängnis ist heute ein Museum und zeigt den Besuchern eindrücklich die Geschichte Ushuaias.

 

Durch den gutangelegten Waldweg erreichen wir anderntags die Bergstation zum Glaciar L' Martial. Von dort geht es dem Hang entlang hinauf bis zur Gletscherzunge auf 825müM. Nach einem Teilabstieg und längerer Rast entschliessen wir uns über einen Gegenanstieg zum Mirador Ushuaia zu gelangen. An diesem Sonnentag zeigt uns die Stadt im schönsten Licht, wir sehen ein Kreuzfahrtschiff im Hafen liegen, Flugzeuge starten und landen, die Anden im Wasser entschwinden und Atlantik und Pazifik vereinen sich.

 

Bei beiden Restaurants zur Stadt zurück, halten wir an um unseren Hunger zu stillen, doch es werden keine Speisen angeboten. So bleibt uns nur Grillade für den Nationalpark einzukaufen. Auf dem Weg dahin lässt uns ein unangenehmes Geräusch Böses erahnen und richtig, die Befestigung des Abwasserhahnen ist ausgerissen und Ralph sammelt erst einmal Teile auf der Strasse ein. Bei Gelegenheit müssen diese wieder gebogen werden....

Am Eingang in Nationalpark, Tierra del Fuego stehen wir in einer stehenden Kolonne, der Hunger ist so gross, dass wir uns nach Lösen des Zweitagetickets im Restaurant mit Empanadas verköstigen. Danach finden wir ein herrliches Stellplätzchen an der Lago Verde und verabreden uns dort gleich mit unseren neuen Bekannten Lucky und Klaus für am nächsten Morgen zum Rundgang HITO XXIV-Trail. 

 

Doch heute, am 1. Advent soll uns auch ein Asado gelingen! Zurück auf unserem Stellplatz schaue ich mich ein wenig um, finde Kontakt zu einer Familie aus Rio Grande, über deren Feuerstelle ein Stück Fleisch am Spiess steckt, mmmhh - das muss köstlich schmecken! Esteban hilft uns beim Einrichten unserer Grillstelle und als die ersten Flammen züngeln, spaziert Carlos, sein Schwiegerpapa mit dem herrlichen Cordero am langen Spiess zu uns herüber. Wir meinen, sie möchten uns lediglich zu einem Schnappschuss verhelfen, oh nein - wir dürfen das Fleischstück fertig grillieren und essen - un regalo de Argentina, muchas, muchas gracias!

Und es war als hätte unser Asado andere angezogen, immer mehr Womos stellen sich ein und bald sind wir ein Dutzend Leute, die sich gemütlich bis tief in Abend hinein Cordero und Vacastücke schmecken lassen und um das Feuer sitzen.

Am Montagmorgen verlassen wir den Park um wieder àjour zu werden: Camperschaden beheben, Fotos ordnen, Berichte schreiben. Gemeinsam planen wir unsere Weiterreise..... - nun geht es nordwärts... 🇦🇷🇨🇱🇦🇷🇨🇱🇦🇷

 

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