BOLIVIEN: 27.4. - 16.5.16 (20 Tage), 1'700 km

UNSERE ROUTE:

ARG/La Quiaca - Vilazon - Potosí - Sucre - Uyuni (Salar de Uyuni, Lipez Sud) - Tarija - Bermejo - ARG

Einreise: 27.4.2016 / 13. Reisebericht: Bolivien vom 27.4. - 16.5.2016

1700 km mit LIRA und 1'000 km mit 4x4 auf dem Salar Uyuni / Lipez Sud 

(Weiterreise --->>>ARGENTINIEN: 2. Einreise/14. Reisebericht

 

POTOSI: Tupiza - Potosí - Sucre - Uyuní (4x4-Tour Salar/Lipez Sud, 1'000km)

CHUQUISACA: Sucre  

TARIJA: Tarija - Bermejo

 

Tupiza, 33-Stunden-Blockade

Am Morgen besuchen wir in unserem letzten Übernachtungsort auf argentinischer Seite, in Yavi (500 EW) die Casa del Marqués, wo über den wichtigen Sitz der 'Marquesado del Valle Tojo' des 18. Jhd berichtet wird. Daneben steht die kleine weiss getünchte Iglesia San Francisco mit ihren wertvollen Goldausstattungen, Fensterscheiben aus Onyx und Fresken aus dem 17. Jhd, ein Juwel!

Ohne Probleme verlaufen die Grenzabfertigungen ARG/BO.

In Villazón tauschen wir Dollars zu Bolivianos (1:7) und fahren dann einmal 40 Kilometern Richtung Tupiza, als uns eine Bolivianerin mit Kleinkind winkt. Irma  erklärt uns, dass heute infolge Blockaden rund um Tupiza keine Transportbusse mehr fahren. Wir lassen die Beiden zusteigen und sind erleichtert, dass uns die erste Blockade fast problemlos durchlässt, nicht aber die zweite! 

Alte Frauen, sitzen Cocablätter kauend, in Faltenjupes, dicken Wollpullovern auf Baumstämmen, wettern über die Wasserrechte vor Ort und halten uns an, zurückzufahren. Dies macht für uns aber keinen Sinn, da nur diese Strasse nach Uyuni führt.

Irma und ihre 19 Monate alte Tochter Delma müssen nun mit ihrer schweren Habe die vebleibenden 5 km nach Tupiza laufen, sie tun uns wirklich leid. Während den nächsten Stunden sehen wir Leute mit schweren Gepäckstücken, mit kleinen Kindern auf dem Rücken oder diese mit sich herziehend an uns vorbei marschieren. Personen und Fahrräder dürfen passieren, alle anderen Vehikels sind zum Umkehren oder zum Ausharren gezwungen. Nie hätten wir gedacht, bereits an unserem ersten Bolivientag 'Vierkottens beschriebene 19 Stunden-Blockade zu übertreffen! Doch wir stehen 33 Stunden auf der Panamericana!

Jeweils gegen Abend werden die Alten von Heerscharen Jugendlichen abgelöst, die sich den Spass zu protestieren nicht entgehen lassen. Der Aufenthalt ist für uns nicht so schlimm wie für viele andere, wir haben ja unser Haus dabei, stehen von der Kälte geschützt in zweiter Reihe vor einem quasi Kiosk, sehen immer was sich an der Front tut, unterhalten uns mit Chauffeuren und Touristen in spanisch und in der Nacht ist über uns, inmitten von funkelnden Sternen, die Milchstrasse.

Am 2. Abend, 21.00 Uhr ist der Spuk vorbei, die vorher tatenlos zusehende Polizei lässt auf unserer Seite den Konvoi von etwa 40 LKW, einigen Reisebussen, PW's und uns durchfahren.

Während unserem Aufenthalt riet uns ein Uyunier mit dem Womo nur über Potosí Uyuni anzufahren, da die Strasse über Tupiza in üblem Zustand sei. Nachdem wir in der Dunkelheit die letzten Sandburgen und Gestrüppe hinter uns brachten, finden wir nur ein wenige Kilometer nach der Tasa de Rodaje (10 Bol) bei der Abzweigung nach Tarija einen Schlafplatz.

21.476731 S / 65.704633 W, auf der Panamericana, 5km vor Tupiza/Potosí, 2'950 MüM

21.205808 S / 65.602235 W, Tasa de Rodaje, frei/Potosí, 3'360 MüM 

 

Potosí, die Silberstadt

Mit den ersten Sonnenstrahlen fahren wir los, die Orte sind erst am Erwachen, die Kinderauf ihrem Schulweg. Dann wird die Gegend einsamer, wir gewinnen stetig an Höhe, fahren über ein Hochplateau bis auf 4'370m hoch. Nur Büschelgräser gibt hier die Erde her,  doch den Lamas und Guanacos genügt dies. Um die Mittagszeit erreichen wir die einst reichste Stadt des Kontinents und heute noch höchste Stadt der Welt, Potosí, auf 4007m. Sie liegt am Fuß des 'reichen Hügels', dem Cerro Rico (4'800m), wo die Spanier im 16. Jhd die ergiebigen Silberadern entdeckten und ausbeuteten. Noch heute leben viele der 165' 000 Einwohner vom Silberschürfen, eine gefährliche, kaum einträgliche Arbeit.

Bei der Anfahrt eines unter Reisenden bekannten Stellplatzes im Innenhof eines Hotels stellen wir fest, dass nur einzelne Plätze in der Stadt grosszügig angelegt sind, die Strassen sind steil und verwinkelt. Plötzlich machen uns Leute Zeichen, dass für uns kein Durchkommen mehr ist. So muss Ralph wieder einmal ein ganzes Stück rückwärts fahren und ich bin einmal mehr froh, nicht am Steuer zu sitzen. Der Frust ist dann, dass das besagte Hotel gar kein Interesse an einer Vermietung zeigt. In der gleichen Strasse ist aber das Hotel Tarija, das uns im Hinterhof einen Platz zuweist. Die Höhe ist sehr knapp🤔, zu zweit stehen wir seitwärts und vor dem Auto und winken Ralph immer wieder ermutigend zu, weiterzufahren.👍

Danach gönnen wir uns für wenig Geld in der Stadt ein feines Mittagessen, lassen uns in der Casa Real de Moneda die Stadtgeschichte erzählen und spazieren an vielen Kolonialbauten und reich geschmückten Barockkirchen vorbei. Gut haben wir im Rucksack unsere Jacken eingepackt, denn Mitte Nachmittag sinkt die Temperatur schnell um einige Grade und die Höhe von 4'000 Meter bremst unser Laufgeschwindigkeit.

19.58447 S / 65.75577 W, Hotel Tarija (Stellplatz), Potosí, 4'000 MüM /60 Bol

 

Sucre, die schönste Stadt Boliviens (Hauptstadt)

Für die geführte Tour 'Salar de Uyuni' möchten wir optimales Wetter haben, ändern so unseren Reiseplan und fahren statt südwärts, weitere 150km nördlich, nach Sucre, in die Hauptstadt Boliviens, wobei der Regierungssitz in La Paz ist. Die auf einer sonnigen Andenterrasse liegende Studentenstadt Sucre gilt mit ihren weiss getünchten Bauten als schönste Stadt Boliviens (250'000 EW), liegt auf  2'800 m und hat das ganze Jahr durch ein gemässigtes Klima.

Auf der Fahrt dahin beobachten wir, wie Kinder von weit her zur Schule laufen, wie in einer Höhe von 3'800m Zementröhren gegossen werden, wie auf 3'000m Höhe die Weizen von Hand geschnitten und zu Bündeln geschnürt und Felder mit stattlichen Ochsen neu bestellt werden. Die Landschaft und deren Farben sind vielfältig, doch die 4'000 - 5'000 m hohe Cordillere Central begleitet uns stets.

Wir quartieren uns für eine Woche in Marias Lugar ein. Doch hier ist die Einfahrt für LIRA definitiv zu niedrig, wir können aber direkt vor dem Haus parken. Wir steigen hoch zum von den Franziskaner im Jahr 1601 gegründeten Kloster Recoletta, welches eine herrlicher Aussicht auf die Stadt freigibt. Im Museum Indigenas betrachten wir die Webkunst und die herkömmlichen Musikinstrumente der ansässigen Indigenen (Tarabuco). Am 1. Mai erleben wir den Festumzug mit Boliviens typischen Trachten-Formationen, die auf der Plaza 25 de Mayo tanzen. Im Mercado Central kaufen wir die Zutaten für Pollo dulce (Aji rojo dulce) con Papa y Taghliatelli ein für das gemeinsame Abendessen mit Maria und ihre Freunde.

Mit einem Malheur müssen wir zurecht kommen, unserem gasbetriebenen Kühlschrank tut entweder die Höhe, das Schiefstehen oder sonst was nicht gut, statt kühlen wärmt er....., lustiger finden wir unsere durch die Höhe aufgedunsenen Reservepackungen Kaffeekapseln.

Beim Lesen unserer E-Mails sticht uns eine Nachricht ins Auge: unsere in Argentinien lebenden Schweizerfreunde, die uns als erste in Südamerika willkommen hiessen und wir sie in der Quebrada de Humanhuaca (Tilcara) wiedertrafen, sind von Peru aus auf der Rückreise und treffen morgen in Sucre ein! Mit ihnen besichtigen wir im nahegelegenen Kalkabbaugebiet die auf mehrere Quadratkilometer verteilten, besterhaltenen Dinosaurierspuren der Welt und geniessen einen weiteren Tag im Parque Bolivar.

19.050541 S / 65.248333 W,  Marias Lugar, (Hostel), Sucre, 2'800 MüM

 

Uyuni, die Garnisonsstadt

Ein Fahrtag steht vor uns, es geht von Sucre südostwärts nach Potosí, zur Silberstadt, dann weiter nach Uyuni, auf 3'700 MüM. Total sind es etwa 370 km, doch alles lässt sich auf guten Strassen, mit schöner Panoramasicht und etlichen Serpentinen bewältigen. Diesen Tag habe ich jedoch mehr oder weniger schlafend oder lesend im Bett verbracht.

Damit wir auch immer mit genügend gutem Diesel unterwegs sind, leert Ralph bei der Abfahrt, noch bevor wir uns bei einer Tankstelle in Sucre in die Reihe der Wartenden stellen, den einen mit argentinischem Sprit gefüllten Reservekanister in Tank.

Doch wir werden als Touristen nicht bedient, doch der zweite Versuch klappt. Das Tankgirl tippt die Passdaten ein und weil Schweiz in ihrer Kartei nicht existiert, sind wir eben Argentinier. Die dritte Ration erhält LIRA in Uyuni. Da das Benzin für den Bolivianer subventioniert ist, zahlen wir fast das Zweieinhalbfache wie die Einheimischen etwa soviel wie in Argentinien.

Uyuni liegt auf dem bolivianischen Altiplano zwischen den Anden-Gebirgsketten der Cordillera Occidental im Westen und der Cordillera Central im Osten und ist Ausgangspunkt für Touren mit Geländefahrzeugen zum Salar und durch Wüstenlandschaften in den Altiplano des bolivianischen Südwestens. Gleich bei der Ankunft finden wir ein passendes Angebot für den nächsten Tag.

20.447204 S / 66.797957 W, frei, vor Uyuni, 3'691 MüM

20.465729 S / 66.821716 W, Universidad, Uyuni, 3'699 MüM

 

Salar de Uyuni, die grösste Salzpfanne der Erde - unsere 4x4 Tour!

Welch Enttäuschung, beim Abfahren merken wir, dass Christel Tour überbucht hat, so  entscheiden wir uns gleich für den Rücktritt!

Etwas entmutigt treten wir in die Full Tours Agence, doch dies ist ein Volltreffer! Nicht nur dass Sandra uns den Weg zur Tourismus-Polizei ebnet, sie vermittelt uns auch einen genialen Stellplatz für unsere LIRA im Innenhof der Universität.

Da der Anflug von La Paz bei den drei anderen Teilnehmer nicht klappt, haben wir eine Privattour. Gawin, unser Fahrer und Koch lots den Toyota Landcruiser 4,5l am ersten Tag über den vor etwa 10'000 Jahren ausgetrocknete Salar de Uyuni. Mit einer Fläche von etwa 11'000 km2 ist dieser die grösste Salzpfanne der Erde und liefert Lithium von insgesamt etwa 5,4 Tonnen. Mitten drin taucht die Isla Incahuasi, wo der Rundgang an meterhohen, zum Teil mehr als 1000 Jahre alten Kakteen vorbeiführt und wir einen herrlichen Ausblick in die Weite des Salzsees bekommen. Gegen 18.00 Uhr erreichen wir das Salzhostel, wo wir fein verköstigt werden.

Am zweiten Tag geht es auf einer Höhe 4-4'400m durch die Wüstenlandschaften im Altiplano, vorbei an Vulkanen mit Höhen zwischen 5'500-6'100m (Licancabur), an zahlreichen, teils farbigen Lagunen (Cañapa, Hedionda, Chiar Khota, Honda uw.), wo Hunderte von Flamingos graziös umher tappen. In einem Refugium nahe der Laguna Colorada finden wir unseren Schlafplatz, doch es ist bitter kalt...!

Am dritten Tag ist bereits um 5.00 Uhr Tagwach. Bis zum Geysirfeld Sol de Mañana auf über 5'000m sind fast 1000 Höhenmeter zu überwinden. Dann folgt die Fahrt zum Agua Termales, wo die Mutigen bei Aussentemperaturen von gegen Null Grad ein Bad nehmen. Wir hingegen verzichten, sind wir doch weitaus die Ältesten unter all den Teilnehmern aus den 30-40 Fahrzeugen. Die drei Personen, die infolge einem Notfall heute morgen in unser Fahrzeug zugestiegen sind, setzen ihre Reise an der chilenischen Grenze Richtung Peru fort. Vorbei an der Laguna Verde y Blanco erreichen wir rasch die chilenischen Grenze, wo wir uns gegenseitig ,buen viaje, wünschen. Nur etwa die letzten 60 km bis Uyuni sind festgesandete Strassen, davor geniessen wir die 4x4 Fahrten quer durch den Sur Lipez.

20.606606 S / 67.582465 W, Hostel de Sal, Salar de Uyuni, 3'665 MüM

22.212692 S / 67.799151 W, Laguna Colorada, Nationalpark, Lipez Sul, 4'281 MüM

 

Tarija - das Weingebiet

Wir planen Bolivien in ein paar Tagen über Bermejo zu verlassen. So werden wir Potosí ein drittes Mal passieren, bevor wir dann südostwärts Tarija anfahren. Doch vorerst geniessen wir noch einen Tag in Uyuni, verabschieden uns von Sandra, Full-Tours und treffen dann überraschend eine Schweizerfamilie, die mit ihren beiden 6 + 7-jährigen Kindern gerade auf dem Weg zum Salar sind.

Auf dem 550 km langen Weg nach Tarija passieren wir in Potosí den Lamamarkt und in Belén den Wochenmarkt, ansonsten sehen wir auf der ganzen Strecke, wo wir zweimal frei stehen, nur wenige Menschen. Es geht über eine immens lange Hochebene von etwa 3'500 MüM, bevor wir etwa 20 km vor unserem Ziel in Serpentinen Höhe verlieren und Tarija vor uns liegt. Es schwebt uns vor, für 2-3 Tage in einem Hotel zu übernachten, doch finden wir kein Estaciamiento für unsere casa rodante. Erst einmal lassen wir uns ausserhalb der Stadt ein feines Churcito mit einem Kohlberg blanco munden, bevor wir noch einmal nach einem Übernachtungsplatz umschauen. Und siehe da - Carlos offeriert uns in seinem Haus ein Quarto! Muchas gracias Carlos!                                          

 

Trotz 'durchzogenem' Wetter beginnt der Tag gemütlich. Nach der Verabschiedung von Carlos und seiner Familie zweigen wir ausgangs Tarija in die Ruta de Viño / Valle Conception ein, noch immer knapp auf 2'000m Höhe. Eindrücklich sind die jahrhundertalten 'Casas Vejas', wo die Ernten der Winzer gekeltert und in den Innenhöfen grosse Feste gefeiert werden. Über Serpentinen geht es nahe der argentinischen Grenze runter auf ca 500 m, wo entlang dem Grenzfluss Bermejo Orangen, Mandarinen und Bananen gedeihen.

Eigentlich wollen wir uns in Bermejo einquartieren, doch der Ort ist uns nicht geheuer! So fahren wir die wenigen Kilometer zur Grenzbrücke zurück und verlassen beim Eindunkeln das Land. Doch im 2017 bereisen wir Bolivien weiter: La Paz, Ouro, Cochabamba....

19.741770 S / 65.914001 W, Estancia Condoriri, vor Potosí, 3'874 MüM

21.355545 S / 65.091844 W, Puesto Grande, Tarija, 3'076 MüM

21.500121 S / 64.779837 W, Carlos y su familia, vor Tarija, 1992 MüM